Wieder einmal hat Huffington Post bewiesen, wie man mit mutigen und zugleich klugen Experimenten die Entwicklung der Medien im Internet vorantreiben und der Konkurrenz damit stets eine Nasenlänge voraus sein kann.

Ein Jahr ist es her, da wurde mit HuffPost Live der Live-Streaming Service an den Start gebracht. HuffPo-Gründerin Arianna Huffington nannte das Projekt „different kind of conversation“ und lud alle HuffPo-Leser dazu ein, sich an der Konversation zu beteiligen. Das Ziel: die „most social video experience“ zu schaffen.

Jetzt, ein Jahr später, berichtet Frau Huffington stolz, dass das wohl ganz gut, sehr gut, funktioniert hat. Das Vidoeangebot ist ein vollwertiger und zugleich voll integrierter Kanal im Angebot der HuffPo.

Und die Zahlen, die sie meldet, sind in der Tat beeindruckend:

# HuffPost Live erzeugte 445 Millionen Video Views,

# erreichte mehr als 13 Millionen unique Unser im Monat.

# Die Besucher verbrachten durchschnittlich 22 Minuten Zeit auf dem Portal (den Angaben zu Folge mehr als vier mal soviel wie im Branchenmittel).

# Mittlerweile gibt es dort fast 9.000 Videos zu sehen (auch on demand).

# Webby Award und fünf weitere Preise eingesackt

 

Wie kann das sein – handelt es sich im Grunde doch um eine Dauertalksendung, wie es sie auch im Fernsehen geben könnte? Der Unterschied liegt im Detail. Die Erfolgsfaktoren aus meiner Sicht:

# HuffPost Live schafft es tatsächlich, die Konversation mit den User auf Trägermedium Video auszuweiten. Die Nutzer können jederzeit in den Stream „reinspringen“, sich kurz über das Thema orientieren und gleich mitdiskutieren. Kommentare und Stream stehen gleichgewichtig nebeneinander, das ist neu: Der User kann sich als Teilnehmer ernst genommen fühlen.

# Es handelt sich um ein stetiges Angebot mit sehr geringer Eintrittshürde, welches zudem 24 / 7 zur Verfügung steht. Doch anders als beim TV gibt es keine Formatierung (besser gesagt: Fragmentierung) – der Rückkanal ist jederzeit offen.

# Es ist daher auch unerheblich, ob und wo es ein Anfang und Ende gibt. Das Konzept der Timeline hat ausgedient. Es ist eine Art Video-Universum, welches angeboten wird.

# Die Produktionskosten dürften sich in Grenzen halten, daher war es möglich, schnell ein Universum in einer stattlichen Dimension aufzubauen.

# Die Kraft der Marke wird geschickt eingesetzt aber auch die „Strahlkraft“ der prominenten Gesprächspartner, die im besten Fall ihr eigenes (online) Netzwerk an Zuschauern mitbringen – hier bedingt eines das andere. Die Inhalte besitzen somit die nötige Fallhöhe / Relevanz: Das LineUp der Gesprächspartner ließt sich beeindruckend. Und auch sonst werden aktuelle / relevante Themen diskutiert. Das ganze schmeckt nicht nach Tallkshow sonder nach gleichberechtigter Gesprächsrunde.

# Die Unternehmensleitung setzt den erforderlichen Schwerpunkt auf das Projekt und betreibt es nicht nur nebenbei.

# wer etwas verpasst, holt sich die Inhalte on Demand oder …

# … nutzt die App.

Die HuffPo ist wieder mal Innovationsführer und zeigt den sich in Paywall-Diskussionen verlierenden Medienhäusern hierzulande, wie es geht.