Himate wird von dic.leo zur Übersetzung vorgeschlagen mit:  engl. „inmate“ oder dt. „Heimat“. Beides könnte richtig sein, auch zusammen: Die neuen Jungendwellen im Netz wollen junge Nutzer – vornehmlich diese Millennials, von denen jetzt alle sprechen – gefangen nehmen und ihnen gleichzeitig eine Heimat geben. Vermutlich aber soll himate einfach Hi, mate! – Hallo Kumpel! bedeuten.

Nach bento.de (Spiegel), ze.tt (Zeit) ist vor zwei Wochen auch Himate aus dem Hause Südkurier an den Start gegangen. Als journalistisches Startup muss es sich fortan selbst bewähren, der Südkurier finanziert nur den Start.

Heftig! Kritik an bento

Vor allem bento wurde schon heftig, bzw. heftigst (!) kritisiert und diese Kritiken lassen sich im Kern auf die anderen Angebot übertragen. Im Fall von bento ist mir das ein wenig zu hart. Zwar sieht die Themenmischung dort machmal aus, wie von der Bundeszentrale für Politische Bildung kuratiert, doch andererseits bemüht sich die Redaktion um Relevanz und eine andere Sicht auf Themen (die von Lorenz Matzat kritisierten fehlenden Darstellungsformen können ja noch kommen).

Aber ob hier Anschluss an die Zielgruppe nur simuliert wird oder wirklich vorhanden ist, kann ich als Außenstehender nicht beurteilen. Die großen Vorbilder buzzfeed, vice und huffingtonpost, die mit ihren deutschen Angeboten längst gestartet sind, werden ihren Platz jedenfalls nicht freiwillig räumen. Dennoch: Himate – das kleinste der drei Kücken unter den Nachzüglern – haut am meisten auf den Putz, so lesen wir auf der Seite „über uns“:

Authentische Inhalte für die digitale Zielgruppe
Wir bauen einen Digital-Only-Publisher auf
Wir sind Content-Freaks und Growth Hacker
Wir machen epische Inhalte, die social funktionieren

Jessica Wagener fungiert als Head of Content (whatever that is) und ich habe bei ihrer Präsentation auf dem scoopcamp in Hamburg nicht schlecht gestaunt, wie man mit so viel hehren Worten einen eigentlich recht einfach gestrickten Buzzfeed-Clone beschreiben kann. Irgendwie erwartete ich eine journalistische Offenbarung und fand mich beim ersten Aufruf der Seite bei der dünnsten aller Geschichte: „Warum Radfahrer die besseren Liebhaber sind„, wieder.

Nun aber zu den Gründen, warum wir nicht noch weitere Buzzfeed-Clones brauchen:

# Überschriften, die nicht halten was sie versprechen, haben wir schon genug im Netz. Sie erhöhen den Rauschpegel und verdrängen echten Journalismus – auch und gerade, weil sie vielfach geteilt werden.

# Wer nur auf Umfelder für seine native Advertising-Angebote aus ist, sollte nicht so tun, als würde er den Journalismus neu erfinden wollen – wenn es am Ende in einer Anleitung zum Gruppenbesäufnis mündet, wie auf himate:

Vorglühen: kostensparendes Gruppenbesäufnis in einer Privatwohnung vor dem Ausgehen„.

# Clickbait bleibt Clickbait, da hilft es auch nicht, wenn man betont, man produziere keinen Clickbait

# Geschichten im Stil: „15 x warum du y unbedingt anschauen solltest“ sind nichts als journalistische Niedertracht und weder authentisch noch episch.

# SEO getriebenes Schreiben ist gar kein Journalismus

# Analytics und Monitoring führen in die Endlosschleife des immer Gleichen

# Innovation bedeutet nicht: nachmachen, was andere schon machen

# beta bedeutet nicht automatisch besser oder es wird besser, sondern zunächst nur: unfertig, in Erprobung, ob es jemals gut oder gar besser wird, vermag man nicht zu sagen.