„Solution based storytelling“ das ist nicht etwa eine neue Methode für Zehntklässler, ihr Fehlen im Unterricht zu entschuldigen, sondern eine neue journalistische Arbeitsweise. Statt nur zu informieren und zu unterhalten, wollen Angebote wie Perspective Daily (D), de Correspondent (NL), Tea after Twelve (D), positive News (GB) und weitere, zukünftig die Realität beschreiben und gleichzeitig Lösungen für Probleme wie den Klimawandel aufzeigen aber auch ganz deutlich eine (politische) Haltung beziehen. Das Motto lautet in Anlehnung an Angela Merkel: Wir schaffen das, wenn … !

„Solution based storytelling“, „Constructive Journalism“ oder „Solutions Journalism“ sind die Bezeichnungen für etwas, was eine neue Gattung im Journalismus werden könnte, jedenfalls wenn es nach den Machern geht.

Denn sie glauben, dass wir (als Gesellschaft / als Welt) mit der alten Herangehensweise wie Journalisten über die Welt berichten, nicht weiterkommen – im Gegenteil: Eine Übergewichtung negativer Nachrichten bei der Nachrichtenauswahl lässt den Konsumenten mit Gefühlen wie Hoffnungslosigkeit (ich kann ja eh nix ändern!), Hilflosigkeit (was soll ich denn machen?) oder Stress zurück (das ist alles zu viel für mich!). Alles negative Gefühle, die dazu führen, dass die Rezipienten eben nicht reagieren und sich für eine Lösung der dargestellten Problem engagieren.

Lösungsorientierter Ansatz

Dementsprechend wird ein neuer, lösungsorientierter Ansatz verfolgt, der Lösungen aufzeigen und durch positive Emotionen in eine Handlung überleiten soll. Eine mögliche Definition lautet:

Solutions journalism is reporting about responses to entrenched social problems. It examines instances where people, institutions, and communities are working toward solutions. Solutions-based stories focus not just on what may be working, but how and why it appears to be working, or, alternatively, why it may be stumbling.

Auf dem BarCamp Düsseldorf stellten die Perspecitiv-Daily-Gründer Maren Urner und Bernhard Eickenberg diese neue Herangehensweise anhand von praktischen Beispielen vor. So habe das niederländische Angebot de Correspondent das Thema Grundeinkommen erfolgreich in die Öffentlichkeit getragen und durch die Darstellung von Wegen zur praktischen Umsetzung mit dafür gesorgt, dass sich 41 Gemeinden mit entsprechenden Plänen beschäftigen oder sogar versuchsweise ein Grundeinkommen einführen möchten.

Auch mit ihrem eigenen Projekt möchten sie diesen Weg gehen. „Wir denken, dass die Menschen ein großes Interesse an einem neuen, anderen Journalismus haben“, sagt Maren Urner. Auf dieses Interesse setzt das Team mit seiner für Januar 2016 geplanten Crowdfunding-Kampagne, in der es die ersten 12.000 Mitglieder sammeln möchte, die mit einem Jahresbeitrag von 42 € die Gründung von Perspective Daily ermöglichen sollen.

Nutzer finanzieren die Inhalte

Perspective Daily soll sich langfristig allein durch die Mitglieder tragen und nicht abhängig von Werbung sein. Die Vorbereitung der Kampagne wird durch ein EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie des Europäischen Sozialfonds gesichert.

Für die Nutzer dieser neuen Angebote wird es dann in Zukunft keine Entschuldigung geben, wenn sie passiv bleiben und nichts zur Lösung der Probleme der Welt beitragen. Dass es funktionieren kann, zeigt nicht zuletzt die positive Herangehensweise der Bundeskanzlerin bei der Flüchtlingsfrage: Tausende Mitbürger fühlten sich motiviert zu helfen.

Links zu dem Artikel:
http://www.perspective-daily.de
https://decorrespondent.nl
http://www.tea-after-twelve.com
http://positivenews.org.uk/
http://www.barcampduesseldorf.de/